Friedrich Gottlieb Klopstock

Wißbegierde

Auch Gott spricht. Von der Sprache des Ewigen
Erblickt das Äuge mehr, wie das Ohr von ihr
Hört; und nur leis ist seine Stimme,
Wenn uns die Traub, und die Blume labet.

Dort in den Welten tun den Bewohnenden
Viel Geistesführer weiter die Schöpfung auf,
Viel Sinne. Reicher, schöner Kenntnis
Freuen sie droben sich, Gott vernehmend.

Es sank die Sonne, Dämmerung kam, der Mond
Ging auf, begeisternd funkelte Hesperus.
O, welche inhaltsvolle Worte
Gottes, der redete, sah mein Auge!

Das Licht schwand. Donner halleten; Sturm, des Meers
Getös war schön, und schrecklich, erhob das Herz.
O, welche inhaltsvolle Worte
Gottes, der redete, hört ich tönen!

Gott herrschet, winkend, leitend; wie Wesen auch,
Die frei sind, handeln: herrscht für die Gegenwart,
Und für die Zukunft! Spricht durch Tat auch,
Welche die Sterblichen tun, die Gottheit?

Wenn dieses ist (wer glühet, der Unruh voll,
Nicht hier vom Durst zu wissen!); was tut sie kund,
Durch Siege derer, die des Menschen
Rechte nicht nur, die sie selber leugnen?

Weil am Gestad ich wandle des Ozeans,
Auf dem wir all einst schweben; enthüll ichs bald.
Ich will die heiße Wißbegier denn
Löschen! Sie bleibt; sie ist heilig Feuer!

Saat sä'n sie, deren Ernte Verwildrung ist!
Des Menschen Rechte leugnen sie; leugnen Gott!
Schweigt jetzt, nicht leitend, Gott? und kannst du.
Furchtbares Schweigen, nur du uns bessern?