Karl Theodor Körner

Unsere Zuversicht

Nach der Weise: Wer nur den lieben Gott läßt walten.

(1813)

Wir rufen dich mit freud'gen Blicken
   Und halten fest an deinem Wort.
Die Hölle soll uns nicht berücken
   Durch Aberwitz und Meuchelmord;
Und was auch rings in Trümmern geht,
Wir wissen's, daß dein Wort besteht.

Nicht leichten Kampfes siegt der Glaube;
   Solch Gut will schwer errungen sein.
Freiwillig tränkt uns keine Traube;
   Die Kelter nur erpreßt den Wein;
Und will ein Engel himmelwärts,
Erst bricht im Tod ein Menschenherz.

Drum, mag auch noch im falschen Leben
   Die Lüge ihre Tempel baun,
Und mögen goldne Schurken beben
   Und sich vor Kraft und Tugend graun
Und mit der Feigheit Schwindeldrehn
Vor dem erwachten Volke stehn,

Und mögen sich noch Brüder trennen
   Und sich in blut'gem Haß entzwein,
Und deutsche Fürsten es verkennen,
   Daß ihre Kronen Schwestern sei'n,
Und daß, wenn Deutschland einig blieb,
Es einer Welt Gesetze schrieb:

Wir wollen nicht an dir verzagen
   Und treu und festen Mutes sein.
Du wirst den Wütrich doch erschlagen
   Und wirst dein deutsches Land befrein.
Liegt auch der Tag noch jahreweit:
Wer weiß als du die rechte Zeit?

Die rechte Zeit zur guten Sache,
   Zur Freiheit, zum Tyrannentod!
Vor deinem Schwerte sinkt der Drache
   Und färbt die deutschen Ströme rot
Mit Sklavenblut und freiem Blut.
Du treuer Gott, verwalt' es gut!