Karl Theodor Körner

Sonnenaufgang auf der Riesenkoppe

Die Erde ruht in tiefer, ernster Stille,
   Und alles schweigt; es dringt kein Laut zum Ohre.
   Doch schnell auf finstrer Spur entflieht die Hore,
   Daß sie das Wort der ew'gen Zeit erfülle.

Da bricht der Morgen durch des Dunkels Hülle;
   Es tritt der Tag in lichtem Strahlenflore
   Mit üpp'ger Kraft aus seinem goldnen Tore;
   Der Himmel glüht in frischer Jugendfülle.

Und freudig auf des Lichtes zarten Spuren
   Beginnt das Leben sich zu regen
   Und keimt und blüht in tausendfacher Lust.

Unübersehbar schimmern Städt' und Fluren
   Aus weiter Ferne meinem Blick entgegen,
   Und heil'ge Sehnsucht glüht in meiner Brust.