Paul Kraft

An die entfernte Geliebte

Nun flattern Eisenbahnen um mich her
Und wirbeln ihren Rauch in mich hinein,
Und um mich brandet donnernd Meer an Meer,
Und um mich prallt zerbrechend Sein an Sein.

Nun fliegen Kurszettel durch meine Träume
Und Zahlen schreiten, schwarz — emporgereckt
Durch nüchterner Kontore weite Räume,
Von harten, kalten Stimmen aufgeschreckt.

Nun taumeln in Kupees von Stadtbahnzügen
Der Lichtreklamen Strahlen-Helligkeit
Und Nacht und Straßen, Menschen, Mond und Lügen
Vorbei an meiner müden Traurigkeit.

Nun bist du ganz Phantom und ganz schon Geist
Und ganz entschwebtes Glück, ungreifbar fern,
Und nicht mehr Wille, der zu Sternen weist,
Und bist selbst nicht mehr Heimat, nicht mehr Stern.

Nun zuckt nur noch in seltnen Augenblicken
Erinnern an dein Lächeln, an dein Kleid,
An deines Gangs unirdische Heiterkeit
Durch mich, ohne mich so nah zu beglücken,

Wie früher es das Jauchzen aller Quellen
Und aller Tänze hingerissene Lust
Und alle Macht von goldenen Wasserfällen
Einschwellen ließ ins Toben meiner Brust.

Nun ist die zuckende Flamme, die mich zwang,
Verse zu schreiben voll von deiner Süße,
Tönend vom leichten Schreiten deiner Füße
Und deines Haares sonnigem Gesang,

Verlöscht und Funken nur aus Asche glühen,
Wo sonst ein Feuer lodernd aufwärts schlug,
Um über Unkraut und verdorrten Trug
Helle und Seligkeit ins All zu sprühen . . .

Und doch weiß ich, daß, wenn dein Blick in Flammen
Purpurn nur einmal wieder auf mir brennte,
Aufstiege Segen aller Elemente
Und strahlend schlüge über mir zusammen.