Paul Kraft

Das ewige Erlebnis

An M. S.

Wie? Lächeln mir noch einmal Auge und Gang herauf?
Stürzen in mein Gefild noch einmal Zittern und Licht?
Bist du, süße Erscheinung,
Immer noch lebendig in mir?

Monatelang entschwand Blond in Haar und Gestalt,
Und in die Dämmerung dumpfer Vergessenheit
Glaubte ich es gefallen,
Aus der armen Seele verbannt.

Aber das leichte Gefühl sonnigen Frühjahrs um mich,
Kaum schon Frühjahr, nur erst Sonne in kühlerem Wind,
Führt dich zu mir herauf,
Tür wieder, Stuhl und Tisch und Gemach.

Aber das gütige Blau dieses erstrahlenden Tags,
Ahnung kommenden Glücks beim Spaziergang im Grün,
Leichten, feurigen Schritts
Und erfüllt von freundlichem Licht,

Ahnung herzlicher Lust im Gespräch mit dem Freund,
Jugendlich-heiteren Spotts, hin zur Sonne gewandt,
Die dem lachenden Mut
Mütterlich-segnend zum Siege scheint:

Ist im tiefsten dir nah, nah deinem neuen Gestirn,
Mischt in Morgen und Gold deine Blondheit hinein,
Deines gütigen Augs
Schwesterliche Sendung für mich.

Denn wem einmal ein Blick klarere Täler erschloß,
Einmal das Blau eines Auge ehern den Gott offenbart,
Einmal ein schwebender Schritt
In dem Chaos die Form gezeigt,

Einmal ein seeliger Blick mitten ins Herz hinein
Aller Liebe Gesetz ewiglich bloßgelegt
Und einer Stimme Blond
Einmal die Flamme entbunden hat:

Dem hält heiliger Bann ewig das Innere fest,
Und der Dämon befiehlt ewig das stürzende Lied,
Und für ewig durchglühn
Stimme und Aug’ das anbetende Herz.