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Das Gedicht „Liebes-Lied“ stammt aus der Feder von Rainer Maria Rilke.

Wie soll ich meine Seele halten, dass
sie nicht an deine rührt? Wie soll ich sie
hinheben über dich zu andern Dingen?
Ach gerne möcht ich sie bei irgendwas
Verlorenem im Dunkel unterbringen
an einer fremden stillen Stelle, die
nicht weiter schwingt, wenn deine Tiefen schwingen.
Doch alles, was uns anrührt, dich und mich,
nimmt uns zusammen wie ein Bogenstrich,
der aus zwei Saiten eine Stimme zieht.
Auf welches Instrument sind wir gespannt?
Und welcher Geiger hat uns in der Hand?
O süßes Lied.

Analyse

Das Gedicht "Liebes-Lied" (1907; Epoche des Symbolismus) besteht aus 1er Strophe mit 13 Versen. Das Reimschema ist unregelmäßig. Bis auf den 3. Vers ist das Gedicht in einem 5-hebigen Jambus geschrieben. Es entstand auf der italienischen Insel Capri.

Inhalt

Das Gedicht lässt sich inhaltlich in 2 Teile aufteilen. Im ersten Teil (V.1-7) wünscht das lyrische Ich dem Gefühl der Liebe zu entfliehen und diese an einem einsamen, „stillen“ Ort sicher zu verbergen.

Die Überleitung in den zweiten Teil („Doch alles, was uns anrührt…“, V.8) macht deutlich, dass der obige Wunsch nicht erfüllt werden kann. Die Gefühle der Liebenden sind unentrinnbar miteinander verbunden und so wird jetzt diese Seite der Liebe in ein Bild gekleidet. Die gegenseitige Liebe wird analog der zwei Saiten einer Geige dargestellt - die nur zusammen eine „Stimme“ (V.10), einen Akkord, ergeben.

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