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Die besten Gedichte von Ludwig Tieck (1773 - 1853) - einem bedeutenden deutschen Schriftsteller, Herausgeber, Übersetzer und Dichter (Epoche der Romantik).

Bekannte Gedichte

Kurze Gedichte

Keinen hat es noch gereut,
Der das Roß bestiegen,
Um in frischer Jugendzeit
Durch die Welt zu fliegen.

 

Die Wesen sind, weil wir sie dachten,
In trüber Ferne liegt die Welt,
Es fällt in ihre dunkeln Schachten
Ein Schimmer, den wir mit uns brachten:
Warum sie nicht in wilde Trümmer fällt?
Wir sind das Schicksal, das sie aufrecht hält!

 

Der Zauberstab des Dichters schließt uns oft
Die fernsten, wundervollsten Welten auf,
Und trunken kehrt der Blick aus Sonnenschein
Aus fremden Blumen, schöngeformten Bäumen
Und Kriegen, Schlachten zu uns selbst zurück.

 

Die Menschheit schreitet fort und manchem Wichte
wird bei den vielen Widersprüchen bange;
fast jeder fragt, wohin er denn gelange,
und zweifelt immerdar an dem Berichte.

 

Ja, mancher steht und wartet in der Welt,
Und weiß nicht recht, worauf er warten soll.
Wer zuviel Freundschaft hofft, sieht selbst im Freunde
Den kalten Freund. Ach, diese Alltagswelt
Ist voll von leeren Busen, leeren Herzen,
Daß man die Liebe nicht verschleudern muß,
Um nicht in jenen schlimmsten Fall zu kommen,
Daß man um Liebe bettelt, und wie Bettler
Mit Höhnen vor die Tür gewiesen wird.

 

Jeder weiß, wie es gewesen,
Wenn er Gegenwart beachtet;
Wer sich selber recht betrachtet,
Kann die ganze Erde lesen.

Frohsinn

Nur die Heiterkeit ist Leben,
Selbst das Alter wird verjüngt,
Wem der Scherz, der Saft der Reben,
Jugend lachend wiederbringt,
Der mag manches Jahr noch leben,
Lust und Frohsinn ihn umschweben.
Und dem Greise selbst gelingt,
Sich der Sorgen zu entheben;
Mir die Heiterkeit ist Leben,
Selbst das Alter wird verjüngt.

Abschied

Was ist das Leben? Kommen nur und Schwinden,
Ein Wechsel nur von Nacht und Tageshelle,
Verlust und Schmerz, Sehnsucht und Wiederfinden,
So schwebt durch Traum und Wachen hin die Welle, -
Drum lächelt hoffend in der Trennung Wehen
Durch Abschiedstränen schon das Wiedersehen.

Gruß

Als die Rosen lieblich lachten
Und die Sommerlauben blühten,
Purpurn die Granaten glühten,
Deine Augen hold erwachten;
Alles sprach nur Liebesschmachten,
Es verkündete die süssen
Träume Nachtigallengrüßen,
Und dein Blick, dein Ton ward Wonne,
Lebe dann der Liebessonne,
Weihe diesen Tag mit Küssen.

Leben & Werk

Johann Ludwig Tieck wurde in Berlin als Sohn eines Seilmachers geboren. Seine Geschwister waren der Bildhauer Christian Friedrich Tieck und die Dichterin Sophie Tieck. Er wurde am Friedrichswerderschen Gymnasium erzogen, wo er Griechisch und Latein lernte, wie es in den meisten vorbereitenden Schulen verlangt wurde. Außerdem lernte er schon in jungen Jahren Italienisch, und zwar von einem Grenadier, mit dem er sich anfreundete. Durch diese Freundschaft bekam Tieck einen Blick auf die Armen aus erster Hand, was mit seinem Werk als Romantiker in Verbindung gebracht werden kann. Später besuchte er die Universitäten in Halle, Göttingen und Erlangen. In Göttingen studierte er Shakespeare und das elisabethanische Drama.

Nach seiner Rückkehr nach Berlin im Jahr 1794 versuchte Tieck, seinen Lebensunterhalt durch Schreiben zu verdienen. Er steuerte eine Reihe von Kurzgeschichten (1795-98) zu der von dem Buchhändler C. F. Nicolai herausgegebenen Reihe Straussfedern bei, die ursprünglich von J. K. A. Musäus herausgegeben wurde.

1798 heiratete Tieck und ließ sich im folgenden Jahr in Jena nieder, wo er zusammen mit den beiden Brüdern August und Friedrich Schlegel und Novalis zu den führenden Vertretern der frühromantischen Schule (auch Jenaer Romantik genannt) gehörte. Zu seinen Schriften zwischen 1798 und 1804 gehören das satirische Drama Prinz Zerbino (1799) und die Romantischen Dichtungen (2 Bde., 1799-1800).

1801 ging Tieck nach Dresden, lebte dann eine Zeit lang in Ziebingen bei Frankfurt und verbrachte viele Monate in Italien. 1803 veröffentlichte er eine Übersetzung der Minnelieder aus der schwäbischen Vorzeit, dann zwischen 1799 und 1804 eine ausgezeichnete Fassung des Don Quijote, und 1811 zwei Bände der elisabethanischen Dramen, Altenglisches Theater. Von 1812 bis 1817 sammelte er in drei Bänden eine Reihe seiner früheren Erzählungen und Dramen, unter dem Titel Phantasus.

1817 besuchte Tieck England, um Material für ein Werk über Shakespeare zu sammeln, das nie fertiggestellt wurde. 1819 ließ er sich dauerhaft in Dresden nieder, ab 1825 war er literarischer Berater des Hoftheaters. Seine halböffentlichen Lesungen aus den dramatischen Dichtern verschafften ihm einen Ruf, der weit über die Hauptstadt des Königreichs Sachsen hinausreichte. Auch die neue Reihe von Kurzgeschichten, die er ab 1822 zu veröffentlichen begann, verschaffte ihm eine große Popularität.

In späteren Jahren übte Tieck eine vielfältige literarische Tätigkeit als Kritiker aus. 1841 lud Friedrich Wilhelm IV. von Preußen Tieck nach Berlin ein, wo er eine Pension für seine letzten Lebensjahre erhielt. Er starb am 28. April 1853 in Berlin.

Werk

Zu seinen bekanntesten Werken gehört die Komödie "Der gestiefelte Kater" die Tieck 1797 in den Volksmärchen zusammen mit "Der blonde Eckbert" und "Ritter Blaubart" veröffentlichte. Er publizierte auch unter den Pseudonymen Peter Lebrecht und Gottlieb Färber.

Zitat: "Die ganze Natur ist dem Menschen, wenn er poetisch gestimmt ist, nur ein Spiegel, worin er nichts als sich selbst wiederfindet."

Tiecks Bedeutung lag in der Bereitschaft, mit der er sich den aufkommenden neuen Ideen anpasste, die am Ende des 18. Jahrhunderts aufkamen, sowie in seinen romantischen Werken, wie Der blonde Eckbert. Seine Bedeutung in der deutschen Dichtung beschränkt sich jedoch auf seine frühe Periode. In späteren Jahren zeichnete sich Tieck als hilfsbereiter Freund und Berater anderer oder als belesener Kritiker mit großen Sympathien aus.

Tieck beeinflusste auch Richard Wagners Tannhäuser. Aus Phantasus entnahm Wagner die Idee, dass Tannhäuser zum Papst geht und Elisabeth in der Sängerschlacht stirbt.

Gedichte über Tieck

Berühmte Verse renommierter Poeten, die sich der Lyrik verschrieben haben: