Wolfgang Madjera

Der deutsche Wald

Wie könnt' ich dich vergessen,
Du teurer deutscher Wald!
Was ich in dir besessen,
Vergißt sich nicht so bald.
Mir hat manch heißes Lieben
Der Sturm dahingerafft;
Du bist mir treu geblieben
In ungebroch'ner Kraft.

In deine kühlen Tiefen
Taucht' ich mit meiner Pein
Und meine Schmerzen schliefen
Bei deinem Rauschen ein.
All meine stummen Wunden
Hab' ich dir kundgemacht
Und fühlte sie gesunden
In deiner Wunderpracht.

Und als der Mai gekommen,
Des Herzens Blütenmai,
Da hast auch du vernommen
Den ersten Amselschrei
Und mir mit gold'ner Decke
Gewölbt den schönsten Saal;
Dort küßt' ich im Verstecke
Mein Weib zum erstenmal.

O Wald, o märchenreicher,
Du allen Trostes Quell!
Sucht dich ein noch so bleicher
Und mürrischer Gesell;
Auf bunten Schmetterlingen
Schickst du ihm deine Fee'n —
Und jauchzend und mit Singen
Muß er von dannen geh'n.

Und was aus mir auch werde
Solang mein Hochwald ragt,
Lieb' ich die Schmerzens-Erde,
Bis einst mein Ostern tagt.
Dann aber legt den Toten
Nicht unter Marmelstein:
Laßt grüne Waldesboten
Ihm Grabeshüter sein!