Wolfgang Madjera

Die Nachtigallen

Ich hört' im Garten eine Nachtigall
Und fern zur Antwort eine zweite schlagen;
Im Osten hub es rosig an zu tagen.
Ich lag, durchbebt vom zaubersüßen Hall.

O grauses Wunder grausamer Natur!
Um Wohllaut aus der Sängerbrust zu pressen,
Taucht sie sein Herz in Qualen unermessen,
Jagt seine Seele auf der Sehnsucht Spur,

Schafft zwischen ihm und seinem Ziel, dem reinen,
Urwälder, Berge, Meere des Gemeinen,
Peitscht zur Begier empor sein heißes Blut

Und läßt's verdursten in der höchsten Glut.
Nicht wahr, ihr Nachtigallen? Still! Verklungen.
Sie haben sich vielleicht zu Tod gesungen.