Wolfgang Madjera

Drei Märchenlieder

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1.

Der Froschkönig.

Ich liege vor deiner Türe,
Mich friert in die Seele hinein;
Ich seufze Liebesschwüre, —
Doch du bleibst hart wie Stein.

Ich weiß, daß meine Hülle
Unscheinbar, häßlich und kalt,
Indes der Schönheit Fülle
Dich, Engelsbild, umstrahlt.

Ich weiß, daß dir meine Stimme
Von meiner Qual nicht spricht
Und nicht von meinem Grimme
Und von meiner Liebe nicht.

O lasse mich ein und drücke
Mich an deinen warmen Leib,
Damit sich ein König entzücke
An dir, benedeites Weib!

O löse mir die Seele
Aus dem bösen Zauberbann,
Damit ich dir erzähle,
Wie weh du mir getan.

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2.

Dornröschen.

Wie lang noch wuchern die Dornen
Und lassen mich nicht ein
Zum Pfühl, wo die Liebe schlummert
Im dunklen Kämmerlein?
Dornröschen, wach' auf!

Wie lang noch steh' ich versonnen
Vor dem starrenden Stachelgeheg
Und suche mit Zaubersprüchen
Zu dir zu bahnen den Weg?
Dornröschen, wach' auf!

Nein! Lieber das Schwert aus der Scheide,
Meiner Liebe flammend Schwert,
Und jauchzend gestürzt in die Dornen —
Der Preis ist Blutes wert.
Dornröschen, wach' auf!

Hörst du mein Horn nicht schmettern,
Meiner Liebe gellenden Ruf?
Du darfst nicht schlafen und schlummern,
Dein Held naht, den Gott dir schuf —
Dornröschen, wach' auf!

Von Gram und Qualen der Sehnsucht
Gebleicht, vom Blute rot,
So steht er uor dir, so donnert
In's Ohr dir sein glühend Gebot:
Dornröschen, wach' auf!

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3.

Der Singschwan.

Ich singe von blonden Flechten,
Von Augen mild und tief,
Von einem weißen Busen,
An dem meine Sehnsucht schlief.

Und sind meine Lieder verklungen
Und leuchtet in Abendgold
Aus allen Rosenbüschen
Mein Traumbild wehmütig hold

Und bin ich einsam geblieben,
Mit meinem Schmerz allein,
Zerreiß' ich mein schwellend Gefieder
Und tauch' in mein Herz hinein;

Und sterbend laß ich träufeln
In den Strom das quellende Blut;
So bring' es in purpurnen Perlen
Der Geliebten die silberne Flut