Wolfgang Madjera

Liebe und »Moral«

Mit einem Arm in Himmelsgründe langend,
Taucht sie den andern in der Hölle Tiefen,
Weckt Welten, die im Schoß der Nebel schliefen,
Und wilde Wunder, in der Urnacht hangend.

Sie tritt als Gott in's irdische Gewühle
Und Staub wird zur Unsterblichkeit begeistert;
Doch Staub ist's auch, der ihre Allmacht meistert:
Der Mensch, der eitle König der Gefühle.

Wurm, Rose,Falter, Nachtigall — was blüht
Und atmet, jauchzend singt und stumm sich müht,
Läßt fromm die Liebe über sich regieren.

Der Mensch nur, der Erfinder der Begriffe,
Schöpft ein System der Advokatenkniffe
Und will mit ihm die Liebe »regulieren«!