Wolfgang Madjera

Das Scheiden

Es ist ein Wort von ernstem Klang,
Erfüllt von Weh und Grämen;
Wie Abendglocken tönt es bang;
Das Wort heißt Abschiednehmen.
Das Wort fliegt durch die ganze Welt,
Ist jeder Freude zugesellt,
Schwebt über allen Blüten,
Die Menschen treu behüten.

Wenn sich ein Herz in frommer Glut
Zum Herzen hat gefunden,
Wie bald sind Lust und Liebesmut
Im Scheidegruß entschwunden!
Es gibt, so weit die Augen seh'n,
Kein Bleiben und kein Stillesteh'n;
In allem noch so Süßen
Weint stumm ein Abschiedsgrüßen.

Darum, wenn dir ein hold Geschick
Sein rosig Antlitz zeigte,
O fasse schnell den Augenblick,
Eh' er sich wieder neigte!
Halt' ihn, so fest du nur vermagst,
Bis du für immer ihn beklagst
Und bis in seinem Scheiden
Wird Seligkeit zu Leiden!