Wolfgang Madjera

Festgedicht und Hymne

zur Feier des sechzigjährigen Regierungsjubiläums Sr. Majestät des Kaisers Fanz Josef des Ersten.

Des Doppeladlers dunkle Schwingen rauschen
Wie majestätisch-festliche Musik;
Die Völker Öst'reichs blicken auf und lauschen —

Denn sie vereint ein großer Augenblick.
Nicht gilt's, ob stolzer Siege zu frohlocken,
Ein Friedensfest der Liebe soll es sein:
lm ganzen Reiche läuten Feierglocken
Es hell in Millionen Herzen ein.

Ins Prunkgemach und in die Hütte tönt es:
Ein Jahr des Jubels zog für euch empor!
Wohlauf! Erhebt die Stimme und verschönt es
Durch heißen Dankes schwärmerischen Chor,
Daß er in des Palastes Mauern dringe,
Wo, wie zur Zeit der Ahnen, Habsburg wohnt,
Daß er an's Ohr des güt'gen Vaters klinge,
Der nun seit sechs Jahrzehnten dort euch thront!

Seit sechs Jahrzehnten trug er aller Sorgen
Ein vollgerüttelt Maß — für euer Heil;
Seit sechs Jahrzehnten war vom Dämmermorgen
Bis an die Nacht nur Schaffens Last sein Teil;

Das Schicksal flocht ihm Dornen in die Krone
Doch ihren Schmerzen beugte er sich nicht;
So gab er, leuchtend hoch vom Kaiserthrone,
Das schönste Beispiel: treu zu sein der Pflicht.

Und darum ward ihm auch der Lohn gegeben,
Der größte, dessen sich ein Herrscher freut:
Daß glühend alle Herzen für ihn beben,
Daß Liebe überall sein Bild betreut
Und daß der Österreicher, will man fragen,
Was er als seinen höchsten Stolz bekennt,
Nichts Teureres zur Antwort weiß zu sagen,
Als daß gerührt er seinen Kaiser nennt.

Ja, Sturm und Nacht sind längst verweht, vergangen,
Und holder Friede wohnt in Öst' reichs Gau'n;
Des Friedensfürsten Blick mag lustumfangen
Auf seine weiten Länder niederschau'n,
Wo, von des Landmanns nimmermüden Händen
Gepflegt, in grünen Wellen schwillt die Saat,
Wo rastlos Hebel sich und Räder wenden
Zu starker Arme schöpferischer Tat,

Wo in der Forschung kühnem Bau der Weise
Den Rätseln der Natur stets näher dringt,
Wo, fromm gehegt, in immer breit're Kreise
Der Künste Botschaft Licht und Freude bringt.

Ein Geist ist's, der hier wirkt, ein mächtig Fühlen,
Das heute jeden, der hier schafft, beseelt:
Dem Herrscher Heil, der sich von allen Zielen
Das kostbarste, des Volkes Glück erwählt!

(HYMNE.)

Vom Silberfirn bis an des Meeres Wogen,
Im Dorf, das an der letzten Grenzwacht steht,
Und in der Stadt, Dom Weltgetrieb durchzogen,
Erfüllt die Luft ein einziges Gebet.

Begeistert schallt es aus der Brust der Jungen,
Voll Andacht von der Greise welkem Mund;
Es tönt in Wort und Liedern aller Zungen,
Doch überall aus tiefstem Herzensgrund:

   O Gott, was schwacher Hände
   Bemühung nimmer schafft,
   Das wirke Du und spende
   Durch Deine Schöpferkraft:

   Dem Kaiser reichsten Segen
   Vom Borne Deiner Macht
   Und Schutz auf allen Wegen,
   Die Du ihm zugedacht!

   Dem Volk jedoch die Gnade,
   Daß noch in Zeiten fern
   Ihm weise seine Pfade
   Franz Josefs heller Stern!

Uns aber laßt in treuem Bruderbunde
Um unsres Kaisers Thron zusammensteh'n;
Und ob auch längst verrauscht sei diese Stunde
Ihr Angedenken möge nie vergeh'n!