Wolfgang Madjera

An Bernhard Baumeister

Es ragt ein Riese von knorriger Art
Hoch über den Wald in die Weite,
Hoch über die Bäumlein dicht geschart
Und über die Sträuche zur Seite.
Sie beugen dem Wind sich, sie brechen im Sturm,
An ihren Blättern klebt gleißend der Wurm.

Allein der Riese steht leuchtend und fest,
Gesund im Stamm und in Zweigen.
Ihm hängt in den Ästen kein zwitscherndes Nest,
Nach dem die Buben steigen;
Ihm braust vom Gezweig ein mächtiger Sang,
Der jedes Herz noch zur Andacht zwang.

Das Alter hat seinen starken Schaft
Vermorscht nicht und nicht gebogen;
Die Wurzeln saugen stets neue Kraft,
Wo Kraft sie allzeit gesogen,
Vom kräftigsten Boden im Weltenrund,
Aus deutscher Erde heiligem Grund.

Die Krone des Riesen jedoch umgibt
Die Sonne mit heiterem Glanze
Und schlingt ihre Strahlen dem Haupt, das sie liebt,
Zum tausendfach schimmernden Kranze,
So daß ihn tief ins Mark hinein
Durchströmt der Gottheit belebender Schein.

Wir aber, du Teurer, von Ehrfurcht beseelt,
Entzückt in Herzens Gründen,
Wie Erde und Gottheit in dir sich vermählt,
Um höchste Wunder zu künden,
Wir grüßen dich nur mit dem sehnenden Wort:
O grün' uns, o leuchte uns fort und fort!