Michelangelo Buonarotti

Die Nacht

Übersetzt von Bettina Jacobson.

Der aus dem Nichts, eh' noch die Welt bewohnt,
Die Zeit in Zwiegestalt hervorgebracht,
Er gab der einen hoher Sonne Pracht,
Der andern gab er dann den nahen Mond.

So wird im voraus jedermann gelohnt,
Glück, Zufall und Geschick ihm zugedacht.
Mir fiel die dunkle Seite zu, die Nacht;
Schon in der Wiege blieb ich nicht verschont.

Und wie bei dem, der eignem Glücke wehrt,
In tiefrer Nacht mehr Schatten sich verbreiten,
So sorg' und klag' ich, dass ich schlecht gehandelt.

Doch Trost gibt, dass es meiner Nacht beschert,
Der Sonne deines Tages vorzuschreiten,
Die von Geburt an über dir gewandelt.