Michelangelo Buonarotti

Die Nacht

Übersetzt von Bettina Jacobson.

Jedweder Raum, bedeckt und eingefügt, —
Was er im Innern auch umschliessen mag, —
Bewahrt die dunkle Nacht am hellen Tag,
Wo alles sich im Strahlenschimmer wiegt.

Doch wird sie von der Flamme Glut besiegt,
Verjagt die Sonne, was im Finstern lag,
So bleibt nichts Arges mehr im dunkeln Hag,
Ja, auch ein Glühwurm hätte schon genügt.

Was in der Sonne treibt an Lebenskraft,
An tausend Keimen, Pflanzen zu erkennen,
Wird durchgepflügt vom starken Ackerknechte.

Die Nacht hingegen ist's, die Menschen schafft,
Und weil wir ihn der Wesen bestes nennen,
Sind heil'ger als die Tage uns die Nächte.