Michelangelo Buonarotti

An die Nacht

Übersetzt von Bettina Jacobson.

O Nacht, du liebe, wenn auch dunkle Zeit,
Die jeder Arbeit stilles Ende bringt,
Wohl sieht und kennt dich, wer dein Loblied singt,
Und wer dich würd'gen kann, der weiss Bescheid.

Du schläferst ein des Hirnes Müdigkeit,
Wie feuchter Nebel ruhvoll niedersinkt;
Aus Tiefen zu ersehnten Höhen schwingt
Mich oft ein Traum empor, durch dein Geleit.

Du hemmst und scheuchst zurück, o Todesschatten,
Des Herzens schlimmste Feindin, jede Pein,
Tust, letztes Mittel, tief Betrübten gut.

Du kräftigst unsre Glieder, unsre matten,
Du trocknest Tränen, wiegst die Sorgen ein,
Und rettest Edle vor Verdruss und Wut.