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Das Gedicht „Mondscheinlied“ stammt aus der Feder von Ludwig Tieck.

Träuft vom Himmel der kühle Tau,
tun die Blumen die Kelche zu,
Spätrot sieht scheidend nach der Au,
flüstern die Pappeln, sinkt nieder die nächt'ge Ruh'.

Kommen und gehn die Schatten,
Wolken bleiben noch spät auf
und ziehn mit schwerem, unbeholfnem Lauf
über die erfrischten Matten.

Kommen die Sterne und schwinden wieder,
blicken winkend und flüchtig nieder,
wohnt im Wald die Dunkelheit,
dehnt sich Finsternis weit und breit.

Hinterm Wasser wie flimmernde Flammen,
Berggipfel oben mit Gold beschienen,
neigen rauschend und ernst die grünen
Gebüsch die blinkenden Häupter zusammen.

Welle, rollst du herauf den Schein,
des Mondes rundfreundlich Angesicht?
Er merkt's, und freudig bewegt sich der Hain,
streckt die Zweig' entgegen dem Zauberlicht.

Fangen die Geister auf den Fluten an zu springen,
tun sich die Nachtblumen auf mit Klingen,
wacht die Nachtigall im dicksten Baum,
verkündet dichterisch ihren Traum,
wie helle, blendende Strahlen die Töne niederfließen,
am Bergeshang den Widerhall zu grüßen.

Flimmern die Wellen,
funkeln die wandernden Quellen,
streifen durchs Gesträuch
die Feuerwürmchen bleich. —

Wie die Wolken wandelt mein Sehnen,
mein Gedanke, bald dunkel, bald hell,
hüpfen Wünsche um mich wie der Quell,
kenne nicht die brennenden Tränen.

Bist du nah, bist du weit,
Glück, das nur für mich erblühte?
Ach! daß es die Hände biete
in des Mondes Einsamkeit.

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