Wilhelm Müller

Oben ab!

Deutsche Weine in dem Keller,
Deutsche Lieder in der Brust!
Und die Sorgen und die Heller
Schwimmen fort im Strom der Lust.

Schwimmet nur in meinem Rheine!
Lauter brauset jeder Fluß,
Wenn er über harte Steine
Seine Wellen treiben muß.

Was im tiefen Grunde liege,
Macht mich heute noch nicht bang';
Denn ich habe zur Genüge
Nachzugießen Wein und Sang.

Auf den goldnen Spiegelflächen
Perlt der Freude frischer Schaum.
Lasset oben ab uns zechen!
Ohne Schaum kein schöner Traum.

Und wer in den Grund will schauen,
Sieht sein eigenes Gesicht:
Helle Stirne, glatte Brauen,
Nebelloses Augenlicht.

Sollt' ich in der Tiefe wühlen,
Um zu trinken trüben Wein?
Ehe wir die Hefen spülen,
Muß der Saft getrunken sein.