Wilhelm Müller

Die freie Elbe

(Entnommen: Nachlese)

Trinklied für Anhaltiner.

Heil, Heil dir, Heil zum Gruß,
Du freier deutscher Fluß!
Nun ströme stolz und froh daher,
Kein Sklavenband umschlingt dich mehr.
Alle Zolle sind zerbrochen,
Alle Mauten sind durchstochen,
Mit des Frühlings ersten Wehen
Strömst du voll den Riesenhöhen
Frei hinab in's freie Meer —
Wer so frei, wie du, doch wär'!

Heil, Heil dem freien Wein,
Den du uns führst herein
Von deines Meeres Stapelstrand
In unser liebes Vaterland!
Keines fremden Herrschers Lippen
Dürfen mir den Wein benippen,
Keine Zöllner ihn belecken,
Soll er meinem Gaumen schmecken.
Heil! Er glänzt so hell und rein —
Heil dir! Heil dir, freier Wein!

Mit Dank sei auch gedacht
Des Fürsten, der's vollbracht,
Daß frei der Elbe Strom uns fließt,
Und frei für uns die Rebe sprießt!
Laßt uns unsre Becher heben
Voll vom Saft der besten Reben —
Auf das Wohl von unserm Fürsten!
Ewig, ewig müsse dürsten,
Wer darauf Bescheid nicht giebt,
Wer nicht seinen Fürsten liebt! —

Rausch' hin, du freier Fluß!
Rausch' hin, mein freier Gruß!
Zur Freiheit ist die Erd' erwacht.
Und hell und blau der Himmel lacht.
Wogen, braust in freier Wonne! —
Nur verschonet unsre Tonne.
Eure Freiheit bleib' in Ehren,
Doch dies müssen wir verwehren,
Daß ihr mischt in unsern Wein
Euer freies Wasser ein!