Wilhelm Müller

Unsre Konstitution

(Entnommen: Nachlese)

Hier an unsrer Tafelrunde,
In dem freien Liederbunde,
Sind wir gut konstituiert;
Können all' auf Kopf und Kragen
Einen derben Hieb vertragen
Für das Recht, das uns regiert.

Keine Titel, Kreuz' und Ehren
Dürfen dem Gesetze wehren,
Das in diesem Staat floriert:
Reich' und Arme, Groß' und Kleine
Müssen trinken Wein vom Rheine
Wie der König kommandiert.

Doch der König selbst da oben
Ist dem Spruche nicht enthoben,
Wenn er seinen Zepter schwingt;
Heißt er singen uns und trinken,
Trinkt und singt er bis zum Sinken
Mit uns, daß es klirrt und klingt.

Unser König der soll leben,
Die Minister auch daneben,
Wenn sie schenken lauter ein;
Wer mit Mischmasch uns betrogen,
Der wird vor Gericht gezogen
Und verdammt zu Gänsewein.

Aus der reichsten deutschen Quelle,
Stark und ruhig, warm und helle,
Fließt der Wein in unserm Staat,
Hebt das Herz und weckt die Geister,
Macht die blöden Zungen dreister,
Und giebt allen Köpfen Rat.

Also haben es gehalten
Unsre guten, tapfern Alten:
Sie berieten sich beim Glas;
Und die neuen Diplomaten
Halten auch auf Wein und Braten,
Und hernach auf dies und das!

Fort nur mit den welschen Schäumen,
Die in Demagogenträumen
Wirbeln nach dem Hirn empor!
Fort auch mit dem schweren, dicken
Ungar, der das Licht ersticken
Will in seiner Dünste Flor!

Oder wollt ihr's ernstlich wagen,
Euch mit uns herum zu schlagen,
Nun, so rückt heran zum Strauß!
Kommt uns doch nicht in die Zöpfe! —
Und wir brechen euch die Köpfe,
Und wir stechen all' euch aus.

Unsre Karte zu beschützen,
Setzen gern wir unsre Mützen,
Beutel und Perücken dran;
Demagogen und Despoten
Ist der Handschuh angeboten,
Und wir stehn für einen Mann.

Deutsche Lieder, deutsche Reben,
Deutsche Lust und deutsches Leben,
Blüht auf deutscher Erd' empor!
Segnet unsre Tafelrunde,
Die aus einem vollen Munde
Euch begrüßt im ersten Chor!