Wilhelm Müller

Hoffnungslose Liebe

(Entnommen: Nachlese)

Den Menschen kann ich es nicht sagen —
Sie lachten wohl mit meiner Not;
Dem Himmel darf ich es nicht klagen —
Ich liebe gegen sein Gebot.

Ich will es kaum mir selbst gestehen,
Woran die Seele mir erkrankt,
Ich wage sie nicht anzusehen,
Nach der mein ganzes Leben langt.

Und wenn in nie gedachten Träumen
Ein süßer Odem mich umweht,
Und in des Wundermeeres Schäumen
Die Erdenkugel untergeht:

Auch dann noch fühl' ich dieses Bangen,
Und meine Furcht schläft nimmer ein;
Den Traum verscheuchet das Verlangen,
Daß es ein Traum nur möchte sein!