Wilhelm Müller

Übergegossen

Du hast den Becher mir zu voll gegossen,
Und auf die Hand ist dir der Wein geflossen.
Trink' ab, trink' ab mit deinen rothen Lippen!
Ich will von deiner Hand die Tropfen nippen.

Und um des Bechers Rand such' ich die Stelle,
Wo du geküßt die goldbeschäumte Welle.
So will ich deines Mundes Küsse küssen,
Bis du den Mund mir selbst wirst reichen müssen.

Und wenn dein Herz es meint mit diesem Zecher,
So wie dein Krug es meint mit seinem Becher,
Nur zu, nur zu, und laß es überfließen!
So wirst du meiner Liebe Keim begießen.