Wilhelm Müller

Die Ruinen von Athen an England

Laß dir unsern Dank gefallen, Hort der Freiheit, Engeland!
Hast zum Herrn der hohen Pforte einen edlen Lord gesandt,
Daß er sich für uns verwende; und er that es ritterlich –
Griechen, hört, was er errungen hat mit scharfem Federstrich!
Wenn der jungen Freiheit Blume wird getreten in den Staub,
Wenn die heil'ge Stadt Athene's wird des rohen Heiden Raub,
Dann, auch dann, – begreift es, Griechen, – sollen wir doch unversehrt
Stehn, beschirmt im Sturm der Waffen durch des wilden Feindes Schwert.
Laß dir unsern Dank gefallen, Hort der Freiheit, Engeland!
Schade, schade, hast vergebens deinen edlen Lord gesandt.
Keine Bittschrift kann uns retten – die Ruinen von Athen
Werden mit den freien Griechen wanken, stürzen, untergehn.
Lange haben wir gestanden unter Schmach und Schimpf und Leid,
Mochten kaum uns aufrecht halten in der jammervollen Zeit.
Fremde kamen hergewandert, staunten uns verwundert an,
Und wir ließen es geschehen, aber's lag uns wenig dran;
Ließen messen sie und malen – Keiner malt und mißt den Geist –
Und sie geben sich zufrieden, wissen sie, wie Jedes heißt.
Auch ein großer Lord ist kommen, hat von unserm morschen Haupt
Im Entzücken der Bewunderung uns der Bilder Schmuck geraubt.
Mag er ziehen mit der Beute! – Heil uns, daß wir fest noch stehn,
Um der Freiheit Morgenröthe nach so langer Nacht zu sehn!
Statt der Götterbilder tragen wir das Banner in die Luft,
Das zum Kampf mit den Barbaren Hellas tapfre Söhne ruft.
Ach, wenn diese unterliegen, wozu sollen wir denn stehn?
Habt sie ja in euren Büchern, die Ruinen von Athen.
Mit der Freiheit letztem Schlage stürzen unsre Mauern ein,
Und auf jedes Helden Hügel werfen wir noch einen Stein.