Wilhelm Müller

Der Verbannte von Ithaka

Britten, streicht aus euren Listen meinen Namen nur heraus,
Bannet mich aus eurem Schutze, laßt verkaufen auch mein Haus!
Selber will ich mich beschützen, Gottes Himmel ist mein Dach,
Und der Freiheit Fahne folg' ich freudig bis zum Tode nach.
Hab' in ihre Werberolle schon mit meinem eignen Blut
Meinen Namen eingeschrieben, und ein Schwert ist all mein Gut.
Britten, hohe Protektoren, fragt ihr nach der Freiheit Sold?
Zuckt ihr zweifelnd eure Achseln, zeigt ihr prahlend euer Gold? –
Ach, die Freiheit ist auf Erden freilich nur ein armes Weib,
Hat wohl kaum genug, zu kleiden ihren abgezehrten Leib;
Wundenmale, statt der Orden, halten ihre Brust bedeckt,
Manchen schnöden Achtbrief haben ihr Satrapen angesteckt.
Also kam sie aus der Ferne, weiß nicht recht, woher, verbannt,
Und zum Sterben müde sank sie hin an des Ilissus Rand.
Da, da fanden wir sie liegen, und sie schien bekannt uns noch,
Und wir sahen unsre Ketten, und wir fühlten unser Joch.
Flugs erwachte sie vom Schlummer, schwang sich in die Luft empor,
Und in Götterjugend strahlend stand sie vor Minervens Thor.
Wie so froh sie auf die alten Narben ihres Leibes wies!
Wie so stolz ihr Auge suchte Marathon und Salamis!
Da zerrissen wir die Ketten, brachen jedes Joch entzwei,
Und sie sprach: Seid werth der Freiheit, und ihr seid auf ewig frei,
Frei wie in Thessaliens Pässen Sparta's auserwählte Schaar,
Frei wie über Erdennebel kreist im Sonnenstrahl der Aar.