Wilhelm Müller

Der Mainotte

Nie, nie hat ein Sklavenjoch meinen starken Hals gebogen,
Nie hab' ich an meinem Arm eine Kettenlast gewogen.
Frei, wie meiner Berge Strom, wie der Adler in den Lüften,
Stürz' ich brausend in die Fläche, wo die Freiheit liegt in Grüften,
Neben altem Heldenstaube, unter grauen Mauertrümmern,
Und mir ist, als hört' ich sie unter mir vernehmlich wimmern.
Räuber heiß' ich bei dem Wicht, der den Räuber nennt Gebieter,
Jenen Räuber, der ihm hat dich geraubt, du Gut der Güter,
Freiheit, Freiheit, Lebensluft, Leibesmark und Seelenschwinge,
Der gehört mein Herz, mein Arm, meine Büchs' und meine Klinge,
Der ich wache, der ich kämpfe, der ich lebe, der ich sterbe,
Die ich meinen Kindern lasse als mein einig eignes Erde.
Räuber nennt mich immerhin! Rauben will ich und verheeren
Herrengut und Sklavenland, und kein Pascha wird es wehren.
Aber hört, ihr Feldbewohner, hört, der Räuber kann auch geben
Mehr, mehr als ihr habt besessen all' in eurem ganzen Leben.
Wollt ihr eure Freiheit wieder? Kommt herauf mit scharfen Klingen!
Von den Bergen wollen wir sie vereint herunter bringen.