Wilhelm Müller

Die Jäger

(1823.)

Hussah! Hussah, zur Jagd!
Wir suchen im grünen Horste,
Wir jagen im freien Forste
Das stolze, lustige Wild.
Wir fliegen durch frische Lüfte,
Wir trinken des Waldes Düfte,
Und das Herz im Busen, es schwillt!

Huffah! Huffah, zur Jagd!
Wir jagen doch Alle auf Erden,
Und alle wir Jäger, wir werden
Gejagt in die Gruben hinein;
Es jagen die Jungen, die Alten,
Sie jagen nach Nebelgestalten,
Und fangen sich Sorgen und Pein.

Hussah! Hussah, zur Jagd!
Es jaget der Knabe nach Liebe,
Er jaget mit seligem Triebe;
Und fängt er das luftige Wild,
So sieht er, er hat sich betrogen,
Es hat seine Augen belogen
Von ferne das gaukelnde Bild.

Hussah! Hussah. zur Jagd!
Die Männer, sie jagen nach Ehren,
Sie jagen mit scharfen Gewehren,
Sie zielen und treffen den Stern;
Doch über ihm leuchten noch immer
Viel Sterne mit hellerem Schimmer —
Wer hätte den hellsten nicht gern?

Hussah! Hussah. zur Jagd!
Der Alte, er jaget auf Schätze,
Und ob ihm zerreißen die Netze,
Sie sind ihm doch immer zu leer.
Und hinter ihm kommen gezogen
Viel Jäger mit Spießen und Bogen,
Der Erben schnellfüßiges Heer.

Hussah! Hussah, zur Jagd!
Doch schneller und klüger als Alle,
Mit heulendem Hörnerschalle,
Jagt Einer die Jäger der Welt.
Er schießt nach den Greisen und Kindern,
Er schießt nach den Frommen und Sündern,
Der knöcherne, klappernde Held.

Hussah! Hussah, zur Jagd!
Wir haben den Hirsch gefangen,
Wir letzen unser Verlangen
In seinem schäumenden Schweiß.
Die Jäger alle, die jagen,
Sie alle, sie alle wir fragen,
Wer edlere Beute wohl weiß.

Hussah! Hussah, zur Jagd!
Sie hat uns mit Nichten betrogen,
Ist nicht in die Lüfte zerflogen,
Wir haben sie sicher gefaßt;
Wir führen sie jubelnd nach Hause,
Wir freuen uns ihrer im Schmause,
Und laden Dianen zu Gast.