Wilhelm Müller

Die Vierundneunziger

(1826.)

Das Jahr, das mich der Welt gegeben,
Es soll gepriesen sein;
Gesegnet hat's die deutschen Reben
Mit einem Nektarwein.

Und auch mein Monat rühmt nicht minder
Der höchsten Ehren sich;
Tenn wir sind beid' Oktoberkinder,
Der edle Wein und ich.

O Bruder, daß es mir gelänge,
Sir ähnlich stets zu sein,
Und daß mein Lied zum Becher klänge
Wie du so stark und rein!

So möge nie ein falscher Tropfen
Entweihn dein ächtes Blut,
Und nie ein ungetreuer Pfropfen
Entkräften deinen Muth!

Dann kreisen wir in schönem Bunde
Durch Deutschlands Gauen fort,
Und segnen jede gute Runde
Mit gutem Wein und Wort.

Und geht es einst mit dir zur Neigen,
Und geht's zum letzten Zug,
Mit deinem Tode will ich schweigen,
Und folgen deinem Flug.