Wilhelm Müller

Morgengruß aus Luisium

Im Mai 1826.

Nicht mit goldnen Ehrenketten in den Käficht enger Gunst
Hat mein Fürst mich eingeschlossen und verzogen meine Kunst.
In des Landes schönstem Garten gab er mir ein grünes Haus,
Und ich singe meine Lieder frei in freie Luft hinaus.
Nachtigall im Neste drüben, die du flötest Tag und Nacht,
Lobst du deines Gottes Güte, der den Baum dir hat gemacht?
Also lob' ich meinen Fürsten und er wird den Klang verstehn,
Wann der Hirsch im tiefen Forste seinem Schützentritte lauscht,
Und mit hochgesträubten Borsten durch das Schilf der Eber rauscht.
Ja, dann schall' ihm frisch entgegen Morgengruß aus voller Brust,
Und er fühle meine Liebe in dem Klange meiner Lust.
Solch ein Lied ist seiner würdig. Lied und. Lieb' ist froh und frei.
Heil dir, Fürst! zu deinen! Lobe brauchst du keinen Papagei.