Wilhelm Müller

Nachlese zu Reime aus den Inseln des Archipelagus

Ein Haar aus deinen Locken nur, die Augen zuzunähen,
Und nie, ich schwör' es dir bei Gott, will ich nach Andern sehen.


In dunkler Nacht tret' ich hinaus, und frage Stern auf Stern:
Wo ist mein Freund, mein Lieber jetzt? Ist nah er oder fern?
Beim Becher schwarze Augen,
Am Fenster blaue taugen.
O schöner Mond, wie neid' ich dich! Du kannst mein Liebchen sehen.
Und ich bin nicht so fern von ihr, und muß in Schmerz vergehen.
Du gabst mir einen ersten Kuß, davon erkrankt' ich sehr;
Gieb einen zweiten mir anjetzt, und stell' mich wieder her.
Und giebst du einen dritten mir alsdann noch hinterdrein,
So werd' ich bis an meinen Tod gesund und fröhlich sein.
Ich sah heut' einen Apfelbaum, darauf ein Mädchen stand,
Sie pflückte rothe Äpfel ab mit einer weißen Hand.
Da rief ich: Mädchen, komm herab und gieb mir einen Kuß!
Sie warf mir Apfel auf den Mund, das war ein grober Gruß!
Klugheit will die Liebe haben und Ergebung auch genug,
Will den schnellen Lauf des Hasen und des Adlers kühnen Flug.
Neige dich herab, Zypresse, nur zwei Worte sag' ich dir.
Sage dir: Ich lieb', und sterbe dann zu deinen Füßen hier.
Pflücke eine Sonnenblume, zähle Kern' und Blätter beide,
Ihre Zahl wird kleiner sein, als der Qualen, die ich leide.
Ach, liebes Vöglein, ach, das Land, dahin dein Flug will ziehen,
Ist eines, wo kein Blatt ergrünt, wo keine Blumen blühen!
Ich habe rings mich umgeschaut auf den verbrannten Matten
Nach einer Quelle Silberblick, nach eines Baumes Schatten.
Ein einziger Zyprefsenbaum ist in dem Land zu finden,
Und schwarzes bittres Wasser tropft herab aus seinen Rinden.
Wer unter der Zypresse ruht und trinkt von ihrer Quelle,
Der steht nicht wieder lebend auf von dieser kühlen Stelle.