Wilhelm Müller

Der letzte Gast

Ich bin der letzte Gast im Haus.
Komm, leuchte mir zur Thür hinaus,
Und bieten wir uns gute Ruh',
So gieb mir einen Kuß dazu.

Du schenktest heut' mir trüben Wein
In meinen letzten Becher ein.
Ich schalt dich nicht und trank ihn aus:
Ich war ja letzter Gast im Haus.

Mir gegenüber saßest du,
Es fielen dir die Augen zu.
Ich dacht': Sie wünscht dich wohl hinaus,
Du bist der letzte Gast im Haus.

Ich bin der letzte Gast im Haus;
Der schöne frische Rosenstrauß,
Den ich dir gab beim ersten Glas,
Hängt dir am Busen welk und blaß.

Nun gute Nacht! Nun gute Ruh'!
Und morgen früh wann öffnest du?
Ich bin der letzte Gast im Haus,
Und eh' es dämmert, wandr' ich aus.

Ich bin der letzte Gast im Haus,
Den letzten Tropfen trink' ich aus.
Setz' mir mein grünes Glas beiseit,
Zerbräch's ein Andrer, thät' mir's leid.