Gedichte Gedichte

Eine Liste von Gedichten zum Nachdenken - sowohl lang als auch kurz; moderne und auch Klassiker.

 


Ist doch - rufen sie vermessen -
Nichts im Werke, nichts getan!
Und das Große reift indessen
   Still heran.

Es erscheint nun; niemand sieht es,
Niemand hört es im Geschrei:
Mit bescheidner Trauer zieht es
   Still vorbei.

Hermann Allmers (1821 - 1902) schrieb als „Marschendichter“ vor allem über Kultur und Landschaft seiner nordwestdeutschen Heimat. Siehe auch sein Gedicht: Feldeinsamkeit


Stammbuch-Vers
Wem Zeit ist wie Ewigkeit,
Und Ewigkeit wie die Zeit,
Der ist befreit
Von allem Streit.

Jakob Böhme (1575 - 1624) war ein deutscher Mystiker, Philosoph und christlicher Theosoph

Erfüllung

Wie selig nun die Tage fliehn,
Wie still die Nacht, wie still die Nacht,
Und übers Herz die Träume ziehn
In lichter Märchenpracht.

Ich weiß nichts mehr von Welt und Zeit,
Nur dass ich dein, nur dass ich dein,
Doch Tag und Nacht und Ewigkeit
Schließt dieses Wörtchen ein.

Gustav Renner, 1866-1945, deutscher Erzähler, Dramatiker und Lyriker

Müssen wir so scheiden?

Hast du nicht einen Blick für die Gespielin
Der Kindheit übrig? Keine Hand zu bieten?
Der Unglücksel'gen, die du sonst geliebt?
Glaubst du, ich steh' auf Rosen?

Esaias Tegnér (1782 - 1846), schwedischer Professor und Dichter


Immer reicher, Jahr um Jahr,
grüßt es mit Geschenken…
immer froher um dich her
blüht es auf – und um so mehr
lerne dich beschränken…

Lerne dich an dem zu freu’n,
was du dir errungen
und wirf es ab, zu bereu’n,
was dir nicht gelungen!

Cäsar Flaischlen (1864 - 1920)


Ich bin wie Leib dem Geist, wie Geist dem Leibe dir;
Ich bin wie Weib dem Mann, wie Mann dem Weibe dir,
Wen darfst du lieben sonst, da von der Lippe weg
Mit ew'gen Küssen ich den Tod vertreibe dir?
Ich bin dir Rosenduft, dir Nachtigallgesang,
Ich bin der Sonne Pfeil, des Mondes Scheibe dir;
Was willst du noch? was blickt die Sehnsucht noch umher?
Wirf alles, alles hin: du weißt, ich bleibe dir!

August von Platen (1864 - 1920)


Drei Dinge sind uns
aus dem Paradies geblieben:
Die Sterne der Nacht,
Die Blumen des Tages
Und die Augen der Kinder.

Dante Alighieri (1265 - 1321)


Gedichte werden auf einer Seite oft in Zeilen unterteilt, was als Ausrichtung bezeichnet wird. Diese Zeilen können auf der Anzahl der metrischen Füße basieren oder ein Reimschema am Ende der Zeilen betonen. Die Zeilen können auch andere Funktionen haben, insbesondere wenn das Gedicht nicht in einem formalen metrischen Muster geschrieben ist. Linien können Gedanken trennen, vergleichen oder kontrastieren, die in verschiedenen Einheiten ausgedrückt werden, oder sie können einen Wechsel im Tonfall hervorheben.

Die Zeilen von Gedichten sind oft in Strophen angeordnet, die nach der Anzahl der Zeilen benannt sind. So ist eine Sammlung von zwei Zeilen ein Couplet, drei Zeilen ein Triplet (oder Terzett), vier Zeilen ein Vierzeiler und so weiter. Diese Zeilen können durch Reim oder Rhythmus miteinander verbunden sein, müssen es aber nicht. Ein Couplet kann zum Beispiel aus zwei Zeilen mit identischem Metrum bestehen, die sich reimen, oder aus zwei Zeilen, die durch ein einziges gemeinsames Metrum verbunden sind.

Andere Gedichte können in Versabschnitten organisiert sein, in denen keine regelmäßigen Reime mit festen Rhythmen verwendet werden, sondern der poetische Ton durch eine Sammlung von Rhythmen, Alliterationen und Reimen in Absatzform bestimmt wird. Viele mittelalterliche Gedichte wurden in Versabschnitten geschrieben, auch wenn regelmäßige Reime und Rhythmen verwendet wurden.

In vielen Formen der Poesie sind die Strophen miteinander verwoben, so dass das Reimschema oder andere Strukturelemente einer Strophe die der nachfolgenden Strophen bestimmen. Beispiele für solche ineinandergreifenden Strophen sind beispielsweise der Ghazal und die Villanelle, bei denen ein Refrain (oder im Falle der Villanelle Refrains) in der ersten Strophe festgelegt und in den folgenden Strophen wiederholt wird. Mit der Verwendung von verschachtelten Strophen ist ihre Verwendung zur Trennung thematischer Teile eines Gedichts verbunden. So sind beispielsweise Strophe, Antistrophe und Epode der Odenform oft in eine oder mehrere Strophen unterteilt.

In einigen Fällen, insbesondere bei längeren formalen Gedichten, wie z. B. bei einigen Formen der epischen Dichtung, werden die Strophen selbst nach strengen Regeln aufgebaut und dann kombiniert. In der skaldischen Dichtung hatte die dróttkvætt-Strophe acht Zeilen mit jeweils drei "Erhöhungen", die durch Alliteration oder Assonanz erzeugt wurden. Neben zwei oder drei Alliterationen reimten sich in den ungeraden Zeilen teilweise Konsonanten mit verschiedenen Vokalen, nicht unbedingt am Wortanfang; die geraden Zeilen enthielten Binnenreime auf bestimmten Silben (nicht unbedingt am Wortende). Jede Halbzeile hatte genau sechs Silben, und jede Zeile endete mit einer Trochäus.