Anton Ohorn

Der Abschied

»Noch einmal laß den Arm mich schmiegen
Um Deinen Hals und schau’ mich an!
Dann zieh’ mit Gott, er helf’ Dir siegen,
Du einziger, geliebter Mann!«

Er küßt der Trauten Mund und Wange,
Schlingt seinen Arm um ihren Leib
Und schaut sie an so heiß und lange:
»Behüt’ Dich Gott, herzgüldnes Weib!

Sieh nicht so trüb, Du sollst nicht zagen,
Mach’ mir das trotz’ge Herz nicht weich!
Wohl geht’s hinaus zu ernstem Wagen,
Doch meine Seele bleibt bei Euch.

Leb’ wohl, mein Kind, mein kleinster Knabe,
Du spielst Großmütterchen im Arm,
Ahnst nicht, wie ich so lieb Dich habe,
Und fühlst noch nicht des Abschieds Harm.

Du aber streckst den Arm entgegen
Voll Bangen mir, mein Mägdlein mild;
Will meine Hand auf’s Haupt Dir legen:
Bleib’ Deiner Mutter Ebenbild!

Und Du, mein Aelt’ster in dem Reihen,
Des Vaters Stolz, mein muth’ger Schelm,
Gott laß Dich wachsen und gedeihen
In deutscher Art! – Nun reich’ den Helm!«

Von draußen ruft des Hiefhorns Tönen,
Der Knappe hilft ihm auf das Roß …
Im Thore hallt des Hufschlags Dröhnen
Und auf dem Burgweg jauchzt der Troß.

»Leb’ wohl, du meiner Väter Halle!«
So ruft er laut; die Tücher wehn
Im Thorweg – »Gott beschütz’ Euch Alle! –
Ihr Hörner, blast! – Auf Wiedersehn!«