Anton Ohorn

Im Lenz

Die Höhen umwebt ein blauer Duft,
Die Thäler durchfächelt mild die Luft;
Es knospet und treibt mit stiller Macht –
Der Lenz ist gekommen über Nacht:
Es flüstert im Walde, es blüht im Hag,
Und Glocken verkünden den Ostertag.

Das Dörfchen ruht noch wie im Traum,
Doch ringsum grünt es an Strauch und Baum,
Und die Zweige klopfen ans Fensterlein
Und nicken in dumpfe Stuben hinein:
Und Menschenherzen, auf, erwacht,
Die Lerche singt, die Sonne lacht!

Die Blumen sind da und das Osterfest
Verjaget die Sorgen und vergeßt
Des Lebens Mühe, des Winters Qual!
Das predigt der Frühling im blühenden Thal
Und hat seine Kirche sich gebaut,
So weit nur immer das Auge schaut.

Da drängen die Kinder zuerst hinaus
Aus engem, winterlichem Haus;
Sie springen so fröhlich im luft’gen Gewand
Und reichen dem Lenze die kleine Hand;
Sie pflücken Blüthen im Sonnenschein
Und schauen so hell in die Welt hinein.

O folge still deines Kindes Spur
Und schmiege dich fromm ans Herz der Natur!
Was dich auch quält, verzage nicht,
Thu’ auf deine Seele dem Sonnenlicht!
Dann fühlst du in blühender Lenzeszeit
Des Kindes Osterseligkeit.