Otto zur Linde

Amarylle

O stille Amarylle,
Du blühst, wenn Herbst schon leer.
Von Frucht- und Blütenfülle
Bliebst du nur und nichts mehr.

Ich trug dich in mein Zimmer,
Balkon war schon zu kalt.
Leucht Sommers letzten Schimmer
Du mir. Das Jahr ist alt.

Und alt ist auch mein Herz schon,
Und weiß ist schon mein Haar.
Sei du mein letzter Herbstlohn -
Stumm traurig. Und was mir war

An Herbstblühn und Geistfruchtzeit
Ist abgewelkt, wurmtaub,
Auf Schmerz und Mühn und Sucht streut
Enttäuschung totes Laub.

Ach, wenn auf meinem Grab nur
Die stille Flamme stand:
O Amaryll, ich hab nur
Das Licht, das jenseits brennt.