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Die besten Gedichte von Peter Hille (1854 - 1904) - einem bedeutenden deutschen Schriftsteller und Lyriker (Epoche der Spät-Romantik und des Naturalismus).

Bekannte Gedichte

Kurze Gedichte

Kind

Süßer Schwindel schlägt hinüber,
Heiße Blicke gehen über,
Und ein neues Leben rinnt.
Unserer Liebe starke Wonnen
Sammelt ein als starke Sonnen
In die Himmel seiner Augen
Unser Kind.

Blutende Eiche

Heinrich von Kleist

Blumen sind hervorgebrochen,
Die zittern voll Blut
Und können nicht sagen,
Was da war…
Klagende Farben…
Blutende Eiche.

Begegnung

Beim Newgate in den Menschenwogen
Zwei Blicke haben sich angezogen,
Zwei Seelen haben sich begrüßt,
Und Welle auf Welle weiterfließt.
Der Wind wird die Welle wiederfinden,
Die Seelen, die Seelen nur müssen entschwinden.

Städtedichtung

Zu Düsseldorf am Rheine,
Jan Willem sitzt zu Pferd,
Wo bitterschön der Heine
Den Hippogryphen seine
Wildhufend graziosen
Gambaden meisternd lehrt.

Schulschlange

Im Pausengange
Paar auf Paar,
Die Mädchenschar,
Die umschlingen
Mit bunten Ringen,
Die zerdrücken
Die starken Rücken
Der Männer wird.

Glück

Das ist dir gar ein glücklicher Mann,
Der nicht mal mehr sich freuen kann,
So glücklich ist er.
So kommen jeden Morgen wir her,
So kommen uns alle Tage daher.

Krank

Leidendes Gewand,
Kränklich heiße Hand,
Weher Sterne Flirren.
Tiefversunkener Brand,
Bang verblichen Band,
Wie ein Rauch mag irren.

Knabe

Hält die Augen in die Welt
Wie zwei schwarze Renner.
Zügelt sie kaum,
Aller Helden Held:
Weit dein Traum,
Reich ohne Raum.

Baum

In den Himmel greifen und wachsen,
Erde ziehen und schwellend fühlen
Treue Bitternis
Saftatmenden Bodens.

Wintermeer

Meer, du rasender Greis,
Heldenlied, das über stürmender Harfe zieht
Von Bardenbärten wild und weiß.

Brennende Einsamkeit

Brennende Einsamkeit
Schreit,
Gestalten kommen hervor, wo Völker modern,
Winkend die Fackeln der Himmel lodern,
Und da ich noch suche die Weite,
So schmiegt es sich mir an die Seite
Und lacht mir so nah mit lebendigen Sternen,
Wie du sie nicht fandest in müdesten Fernen.

Nacht

Dunkel
Vor Gefunkel.
Ihr loses Haar.
So müde
So Friede
Und wunder- wunderklar.

Nachtigall

Graue Melodie

In dir singen Erde und Himmel
Und sind Frühling.

Hagel

Schwer Verheeren
Wirft der Himmel,
Eingefrorener Zähren
Eisiges Gewimmel.

Lichtregen

Leuchtende Tropfen:
Leid,
In das ein Lied
Verklärend sieht.

Abbild

Seele meines Weibes, wie zartes Silber bist du,
Zwei flinke Fittiche weißer Möwen
Deine beiden Füße,
Und dir im lieben Blut auf
Steigt ein blauer Hauch,
Und sind die Dinge darin
Alle ein Wunder.

Leben & Werk

Peter Hille wuchs in Westfalen aufgewachsen. Er besuchte die Volksschule in Holzhausen. Er besuchte das "Marianum" in Warburg und das "Paulinum" in Münster. Hier war er Mitglied einer Schulgruppe, in der eine Reihe von "verbotenen" Autoren gelesen wurde: Marx, Bebel, Darwin, Proudhon, Karl Gutzkow, Ludwig Büchner, Hamann und Du Bois-Reymond. Hille initiierte nun die Schülerzeitung Satrebil (abgeleitet von Libertas), die bald von der Schulbehörde verboten wurde. Aus dieser Zeit, den 1870er Jahren, stammt Hilles langjährige Freundschaft mit den Brüdern Heinrich und Julius Hart. Aufgrund seiner literarischen Interessen vernachlässigte Hille seine schulischen Pflichten, bis er 1874 von der Schule verwiesen wurde.

1874 trat Peter Hille eine Stelle als Sachbearbeiter bei der Staatsanwaltschaft in Höxter bei Nieheim an, die er aber nach Aussage des Beamten nicht antrat. Hille entschied sich daraufhin, nach Leipzig zu gehen, wo er als Korrektor in einer Druckerei arbeitete und Literatur, Philosophie und Kunstgeschichte studierte. 1878 kehrte Hille in die alte Heimat seiner Eltern, nach Holzhausen, zurück. Er blieb nicht lange dort. Im Winter 1878/1879 hielt sich Hille bei den Gebrüdern Hart in Bremen auf, wo er an den "Deutschen Monatsblättern" mitarbeiten konnte, die von Heinrich und Julius Hart herausgegeben wurden. In Bremen arbeitete er auch für die sozialdemokratische Zeitung "Bremer Tageblatt".

Der Tod seiner Mutter im Jahr 1879 hinterließ Hille eine Erbschaft. Sogleich begab er sich auf eine lange Reise. Er landete in London, wo er in den Slums von Whitechapel und anderswo Sozialisten und Anarchisten traf. Er blieb dort zwei Jahre lang. Um 1882 brach Hille zu einem Aufenthalt in den Niederlanden auf. Hier lernte er ein Wandertheater kennen, in das Hille sein letztes Geld stecken würde.

Hille lebte zeitweilig als Vagant (oder auch Goliarde; deutsch „fahrende Schüler“ oder „fahrende Scholaren“). So wurden Mittelalter umherziehende Kleriker auf der Suche nach einem geistlichen oder weltlichen Amt genannt (siehe auch Klabund). Dennoch spielte er eine wichtige Rolle in der naturalistischen Bewegung.
Im Winter 1888/89 war er völlig verarmt und zudem tuberkulosekrank. Der Schriftsteller Karl Henckell rettete Hille vor dem Verhungern und nahm ihn 1889 mit nach Zürich, wo er auch Gottfried Keller kennenlernte. Anschließend ging Hille auf Wanderschaft durch die Schweiz, Italien, Ungarn, Tirol und mutmaßlich auch Spanien.

Später kehrte er nach Deutschland zurück. Dort begegnete er wieder den Brüder Hart und engagierte sich im Friedrichshagener Kreis.Detlef von Liliencron und Erich Mühsam gehörten zu seinen Freunden. Else Lasker-Schüler, mit der er eng befreundet war, hat Hille in ihrem 1906 erschienenen Erstlingsprosawerk "Das Peter Hille-Buch" postum enthusiastisch gewürdigt.

Berühmte Verse renommierter Poeten, die sich der Lyrik verschrieben haben: