Gedichte Gedichte

Die besten Gedichte von Richard Dehmel (1863 - 1920) - einem deutschen Dichter und Schriftsteller (Epoche der Moderne).

Bekannte Gedichte

Kurze Gedichte

Gärtnerspruch

Alle Frucht der Welt
ist nur des Keims Gewand.
Pflege das Land,
auf das dein Same fällt!
Mag Gott es hüten
vor tauben Blüten.
(aus dem Gedichtsband: Der Kindergarten)

Ideale Landschaft

Du hattest einen Glanz auf deiner Stirn,
und eine hohe Abendklarheit war,
und sahst nur immer weg von mir,
ins Licht, ins Licht -
und fern verscholl das Echo meines Aufschreis.

Am Scheideweg

Ich wollt dir die Stirn küssen
und dir sagen: hab Dank!
Aber da war ein Licht in deinen Augen
wie Morgenglut auf unerklommenen Bergwäldern;
und dem haben wir folgen müssen,
schweigend.

Tief von fern

Aus des Abends weißen Wogen
taucht ein Stern;
tief von fern
kommt der junge Mond gezogen.

Tief von fern,
aus des Morgens grauen Wogen,
langt der große blasse Bogen
nach dem Stern.

Stiller Gang

Der Abend graut; Herbstfeuer brennen.
Über den Stoppeln geht der Rauch entzwei.
Kaum ist mein Weg noch zu erkennen.
Bald kommt die Nacht; ich muß mich trennen.
Ein Käfer surrt an meinem Ohr vorbei.

Verkündigung

Du tatest mir die Tür auf, ernstes Kind.
Ich sah mich um in deinem kleinen Himmel,
lächelnde Jungfrau;
Du wirst einst einen großen Himmel hüten,
Mutter mit dem Kind.
Ich tu die Tür mit ernstem Lächeln zu.

Erhebung

Gib mir deine Hand,
nur den Finger, dann
seh ich diesen ganzen Erdkreis
als mein Eigen an!

O, wie blüht mein Land,
sieh dir′s doch nur an!
daß es mit uns über die Wolken
in die Sonne kann!

Durch die Nacht

Und immer Du, dies dunkle Du,
und durch die Nacht dies hohle Sausen;
die Telegraphendrähte brausen,
ich schreite meiner Heimat zu.

Und Schritt für Schritt dies dunkle Du,
es scheint von Pol zu Pol zu sausen;
und tausend Worte hör ich brausen
und schreite stumm der Heimat zu.

Weitere kurze Gedichte:

Leben & Werk

Richard Fedor Leopold Dehmel wurde als Sohn eines Försters in Hermsdorf bei Wendisch Buchholz (heute ein Ortsteil von Münchehofe) in der Provinz Brandenburg, Königreich Preußen, geboren.

Er bekam seine ersten Eindrücke von der Natur, indem er durch die von seinem Vater gepflegten Eichenwälder streifte, und besuchte zunächst die Schule in seinem Heimatort. Danach besuchte er das Sophiengymnasium (ein Berliner Gymnasium), wurde aber nach einer Auseinandersetzung mit dem Schulleiter von der Schule verwiesen. Er beendete seine Schulzeit in Danzig und studierte anschließend Naturwissenschaften, Nationalökonomie, Literatur und Philosophie, zunächst an der Friedrich-Wilhelms-Universität in Berlin und dann an der Universität Leipzig, wo er mit einer Arbeit über das Versicherungswesen zum Doktor der Nationalökonomie promovierte. Danach arbeitete er als Sekretär bei einem Feuerversicherungsverein und blieb in dieser Position, bis er nach der Veröffentlichung seines zweiten Gedichtbandes hauptberuflich Schriftsteller wurde.

1889 heiratete er Paula Oppenheimer, die Schwester von Franz Oppenheimer. Er wird schriftstellerisch tätig und ist 1894 Mitbegründer der Zeitschrift Pan. Dehmel ließ sich 1899 von Paula scheiden und bereiste Europa mit Ida Auerbach (geb. Coblentz), die zuvor mit Dehmels Rivalen Stefan George verlobt gewesen war. Dehmel heiratete Ida 1901, und noch im selben Jahr ließen sie sich in Hamburg nieder.

Dehmel war ein Verfechter der Rechte der Arbeiter. Doch trotz seines Einsatzes gegen die Konservativen schloss sich Dehmel den vielen patriotischen und kriegsbefürwortenden deutschen Intellektuellen an, die nach dem Ausbruch des Ersten Weltkriegs 1914 die Massen zur Unterstützung des Deutschen Reichs aufriefen. Der damals 51-jährige Dehmel meldete sich 1914 freiwillig und diente bis 1916, als er verwundet wurde. Er rief die Deutschen dazu auf, bis 1918 weiter zu kämpfen. Dehmel starb 1920 in Blankenese an den Folgen einer im Krieg erlittenen Verletzung.

Werk

Dehmels Gedichtband "Weib und Welt" löste in den späten 1890er Jahren einen Skandal aus: Denunziert von dem zutiefst konservativen Dichter Börries von Münchhausen, wurde Dehmel wegen Obszönität und Gotteslästerung vor Gericht gestellt. Obwohl er aus technischen Gründen freigesprochen wurde, verurteilte das Gericht das Werk als obszön und gotteslästerlich und ordnete seine Verbrennung an.

Dehmel gilt als einer der bedeutendsten deutschen Lyriker der Vorkriegszeit. Seine Gedichte sind formvollendet und verwenden zahlreiche metrische Muster. Sie wurden von Komponisten wie Richard Strauss (der seinen Hauptlibrettisten Hugo von Hofmannsthal in Dehmels Haus kennenlernte), Max Reger, Alexander von Zemlinsky, Arnold Schönberg, Oskar Fried, Alma Mahler, Anton Webern, Ignatz Waghalter, Carl Orff und Kurt Weill vertont oder inspirierten sie zu ihrer Musik. Dehmels Hauptthema war "Liebe und Sex (Eros)", das er als Kraft zum Ausbruch aus bürgerlichen Werten und Fesseln formulierte.

Berühmte Verse renommierter Poeten, die sich der Lyrik verschrieben haben: