Johann Rist

Eine sehr ernstliche und ausführliche Betrachtung der zukünftigen unendlichen Ewigkeit

O Ewigkeit, du Donnerwort,
O Schwert, das durch die Seele bohrt,
O Anfang sonder Ende!
O Ewigkeit, Zeit ohne Zeit!
Ich weiß vor großer Traurigkeit
Nicht, wo ich mich hinwende!
Mein ganz erschrocknes Herz erbebt,
Daß mir die Zung am Gaumen klebt.

Kein Unglück ist in aller Welt,
Das endlich mit der Zeit nicht fällt,
Und ganz wird aufgehoben;
Die Ewigkeit hat nur kein Ziel,
Sie treibet fort und fort ihr Spiel,
Läßt nimmer ab zu toben;
Ja, wie mein Heiland selber spricht:
Aus ihr ist kein Erlösung nicht.

O Ewigkeit, du machst mir bang;
O ewig, ewig ist zu lang,
Hie gilt fürwahr kein Scherzen!
Drüm, wenn ich diese lange Nacht
Zusampt der großen Pein betracht;
Erschreck ich recht von Herzen.
Nichts ist zu finden weit und breit
So schrecklich als die Ewigkeit!

Ach was ist das? Der Höllen Pein
Wird nicht wie Leibeskrankheit sein
Und mit der Zeit sich enden,
Es wird sich der Verdammten Schar
Im Feur und Schwefel immerdar
Mit Zorn und Grimm umwenden.
Und dies ihr unbegreiflichs Leid
Soll währen bis in Ewigkeit!

Ach Gott, wie bist du so gerecht;
Wie strafest du die bösen Knecht
Im heißen Pfuhl der Schmerzen!
Auf kurze Sünden dieser Welt
Hast du so lange Pein bestellt!
Ach nimm dies wohl zu Herzen
Und merk auf dies, o Menschenkind:
Kurz ist die Zeit, der Tod geschwind.

O Ewigkeit, du Donnerwort,
O Schwert, das durch die Seele bohrt,
O Anfang sonder Ende!
O Ewigkeit, Zeit ohne Zeit!
Ich weiß vor großer Traurigkeit
Nicht, wo ich mich hinwende.
Herr Jesu, wenn es dir gefällt,
Eil ich zu dir ins Himmelzelt!