Gedichte Gedichte

Eine Liste schöner Gedichte - moderne und auch Klassiker; sowohl lang als auch kurz. Was genau schön ist, liegt wie meistens im Auge des Betrachters. Reimen müssen sich schöne Gedichte nicht unbedingt, wenn durch den Inhalt eine angenehme Atmosphäre vermittelt wird.

Diese tiefsinnigen Gedichte zu verschiedenen Themen eigenen sich als Inspiration - Verse & Reime aus verschiedenen Epochen & Kulturen.

Francisci Petrarchae

Ist Liebe lauter nichts, wie daß sie mich entzündet?
Ist sie dann gleichwohl was, wem ist ihr Tun bewußt?
Ist sie auch recht und gut, wie bringt sie böse Lust?
Ist sie nicht gut, wie daß man Freud aus ihr empfindet?

Ausschnitt … Francisci Petrarchae — Martin Opitz

An sich

Sei dennoch unverzagt! Gib dennoch unverloren!
Weich keinem Glücke nicht, steh höher als der Neid,
vergnüge dich an dir und acht es für kein Leid,
hat sich gleich wider dich Glück, Ort und Zeit verschworen.

Ausschnitt … An sich — Paul Fleming

Das Wiedersehn

Der Weltraum fernt mich weit von dir,
So fernt mich nicht die Zeit.
Wer überlebt das siebzigste
Schon hat, ist nah bei dir.

Ausschnitt … Das Wiedersehn — Friedrich Gottlieb Klopstock

Der Mensch

Empfangen und genähret
Vom Weibe wunderbar,
Kömmt er und sieht und höret
Und nimmt des Trugs nicht wahr;

Ausschnitt … Der Mensch — Matthias Claudius

Schöne Fremde

Es rauschen die Wipfel und schauern,
Als machten zu dieser Stund
Um die halbversunkenen Mauern
Die alten Götter die Rund.

Ausschnitt … Schöne Fremde — Joseph von Eichendorff

Gesang der Geister über den Wassern

Des Menschen Seele
Gleicht dem Wasser:
Vom Himmel kommt es,
Zum Himmel steigt es,
Und wieder nieder
Zur Erde muß es,
Ewig wechselnd.

Ausschnitt … Gesang der Geister über den Wassern — Johann Wolfgang von Goethe (1749 - 1832)

Nur wer die Sehnsucht kennt

Nur wer die Sehnsucht kennt,
Weiß, was ich leide!

Ausschnitt … Nur wer die Sehnsucht kennt — Johann Wolfgang von Goethe (1749 - 1832)

Das Mädchen aus der Fremde

In einem Tal bei armen Hirten
Erschien mit jedem jungen Jahr,
Sobald die ersten Lerchen schwirrten,
Ein Mädchen, schön und wunderbar.

Ausschnitt … Das Mädchen aus der Fremde — Friedrich Schiller

Wenn nicht mehr Zahlen und Figuren

Wenn nicht mehr Zahlen und Figuren
sind Schlüssel aller Kreaturen
wenn die, so singen oder küssen,
mehr als die Tiefgelehrten wissen.

Ausschnitt … Wenn nicht mehr Zahlen und Figuren — Novalis

O Lieb, so lang du lieben kannst

O Lieb, so lang du lieben kannst!
O Lieb, so lang du lieben magst!
Die Stunde kommt, die Stunde kommt,
Wo du an Gräbern stehst und klagst!

Ausschnitt … O lieb, so lang du lieben kannst — Ferdinand Freiligrath

An die Parzen

Nur Einen Sommer gönnt, ihr Gewaltigen!
   Und einen Herbst zu reifem Gesange mir,
      Daß williger mein Herz, vom süßen
         Spiele gesättiget, dann mir sterbe.

Ausschnitt … An die Parzen — Friedrich Hölderlin

Geliebter, wo zaudert …

Geliebter, wo zaudert
Dein irrender Fuß?
Die Nachtigall plaudert
Von Sehnsucht und Kuß.

Ausschnitt … Geliebter, wo zaudert … — Ludwig Tieck

Schöne Nacht

Schöne Nacht, Gestirne wandeln
Heilig über dir,
Und des Tags bewegtes Handeln
Stillt zum Traum sich hier.

Ausschnitt … Schöne Nacht — Carl Hermann Busse (1872 - 1918)

 

Schöne Junitage

Mitternacht, die Gärten lauschen,
Flüsterwort und Liebeskuss,
Bis der letzte Klang verklungen,
Weil nun alles schlafen muss -
Flussüberwärts singt eine Nachtigall.

Ausschnitt … Schöne Junitage — Detlef von Liliencron

Das trunkene Lied

O Mensch! Gib acht!
Was spricht die tiefe Mitternacht?

Ausschnitt … Das trunkene Lied — Friedrich Nietzsche

Die blaue Blume

Ich suche die blaue Blume,
Ich suche und finde sie nie,
Mir träumt, dass in der Blume
Mein gutes Glück mir blüh.

Ausschnitt … Die blaue Blume — Joseph von Eichendorff

Mir ist zu licht zum Schlafen…

Mir ist zu licht zum Schlafen,
Der Tag bricht in die Nacht,
Die Seele ruht im Hafen,
Ich bin so froh erwacht.

Ausschnitt … Mir ist zu Licht zum Schlafen — Achim von Arnim

Leise zieht durch mein Gemüt

Leise zieht durch mein Gemüt
Liebliches Geläute.
Klinge, kleines Frühlingslied,
Kling hinaus ins Weite.

Ausschnitt … Leise zieht durch mein Gemüt — Heinrich Heine

Vergänglichkeit der Schönheit

Es wird der bleiche Tod mit seiner kalten Hand
Dir endlich mit der Zeit um deine Brüste streichen
Der liebliche Korall der Lippen wird verbleichen;
Der Schultern warmer Schnee wird werden kalter Sand.

Ausschnitt … Vergänglichkeit der Schönheit — Christian Hofmann von Hofmannswaldau

Gemahnt dich noch das Schöne Bildnis dessen

Gemahnt dich noch das schöne bildnis dessen
Der nach den schluchten-rosen kühn gehascht,
Der über seiner jagd den tag vergessen,
Der von der dolden vollem seim genascht?

Ausschnitt … Gemahnt dich noch das Schöne Bildnis dessen — Stefan George

Dein Antlitz

Dein Antlitz war mit Träumen ganz beladen.
Ich schwieg und sah dich an mit stummem Beben.
Wie stieg das auf! Daß ich mich einmal schon
In frühern Nächten völlig hingegeben

Ausschnitt … Dein Antlitz — Hugo von Hofmannsthal

Letzte Wache

Wie dunkel sind deine Schläfen.
Und deine Hände so schwer.
Bist du schon weit von dannen,
Und hörst mich nicht mehr.

Ausschnitt … Letzte Wache — Georg Heym

Verwandlung

Entlang an Gärten, herbstlich rotversengt:
Hier zeigt im Stillen sich ein tüchtig Leben.
Des Menschen Hände tragen braune Reben,
Indes der sanfte Schmerz im Blick sich senkt.

Ausschnitt … Verwandlung — Georg Trakl

Ein Liebeslied

Komm zu mir in der Nacht – wir schlafen eng verschlungen.
Müde bin ich sehr, vom Wachen einsam.
Ein fremder Vogel hat in dunkler Frühe schon gesungen,
Als noch mein Traum mit sich und mir gerungen.

Ausschnitt … Ein Liebeslied — Else Lasker-Schüler


Lyrik (von griechisch lyriké; und dies von lýra, Leier) ist die poetische Form, die traditionell intensive Gefühle oder tiefe Reflexion ausdrückt, beides Ideen als Ausdruck der Erfahrung des Selbst. Für die alten Griechen war die Leier ein Musikinstrument, das von Hermes oder Polyhymnia erschaffen und unter anderem von Erato, der griechischen Muse der Poesie, gespielt wurde.
Aristoteles erwähnt in seiner Poetik (ca. 330 v. Chr.) die Lyrik neben Drama, Epos, Tanz und Malerei als weitere Formen der Mimesis (nachahmende Darstellung der Natur). Das Adjektiv "lyrisch" taucht erstmals im 15. Jahrhundert auf und bezieht sich auf die gesungene altgriechische Poesie, die sich damit von der dramatischen oder erzählenden Poesie unterscheidet.