Johann Gabriel Seidl

Reisegesellschaft

Da fand sich einst zu mir ein Mann,
Er schloß sich freundlich an mich an,
Er fuhr mit mir bei Tag und Nacht,
Hat nie die Zeit mir lang gemacht.

Er war nicht einer, der viel spricht,
Doch mit der Mode hielt er's nicht;
Es drückt' ihm etwas, schien's, die Brust,
Vorüber war's mit seiner Lust.

Man sah es brennen klar in ihm
Und weiter glühn voll Ungestüm,
Und zu berechnen war es schier:
»Es brennt nicht lange mehr in dir!«

Wir stiegen ab in einem Haus
Und ruhten dort vom Reisen aus,
Und fanden dort ein schönes Kind,
Das uns geschäftig wohl bedient.

Das schöne Kind war auch recht gut,
Ein unverdorbnes, frohes Blut; –
Oft sah es mein Genoß sich an
Und wurde weich und weicher dann.

Und als wir wieder aus dem Haus
Uns setzten in die Kutsch' hinaus,
Kommt auch die Dirn' an unsern Schlag
Und wünscht uns, was man wünschen mag.

Und mein Gefährt', – ich weiß nicht wie?
Kneipt plötzlich in die Wange sie,
Und spricht ganz wunderbar gesinnt:
»Leb wohl, leb wohl, du gutes Kind!

Und kommst du in die Hauptstadt einst,
Die du zu sehen doch wohl meinst,
So komme doch (das rat' ich dir)
Auch einmal auf Besuch zu mir.« –

Das Kind wird rot, und weiß nicht gleich
Zu sagen: »»Herr, wo find' ich Euch?«« –
»Kind,« spricht er, »träfst du nirgend mich:
Im Kirchhof bin ich sicherlich.«