Johann Gabriel Seidl

Selbst ist der Mann

In deinem tiefsten Herzen
Bestelle dir dein Haus,
Dort breite deine Schmerzen
Und deine Freuden aus;
Dort kann kein Spott dich äffen,
Dort kann kein Neid dich treffen,
Dort ruf': Juhe! und Ach!
Ob Frieden drinnen hause,
Ob Hader drinnen brause, –
Was fragt die Welt danach?

Wenn dir ein Freund geworden,
Der treu dein Leben schützt,
Und wenn auch keinen Orden,
Doch wohl ein Herz besitzt,
Laß ja nicht laut es werden:
Die Freundschaft ward auf Erden
Zum Märchen schal und flach;
Bleib ihm zu allen Stunden
Im Leben treu verbunden, –
Was fragt die Welt danach?

Nahm Liebe dich gefangen,
So gib dich gläubig hin;
Du hast noch rote Wangen,
Du hast noch frischen Sinn;
Doch zeige nicht dem Volke
Der Stirne düstre Wolke,
Sonst nennt das Volk dich schwach;
Das mag für deine Augen
Und noch zwei andre taugen, –
Was fragt die Welt danach?

Schriebst du ein Liedchen fertig,
Das dich vom Herzen freut,
Hast, Mitgefühls gewärtig,
Du's in die Welt gestreut,
O hoffe nicht viel Rosen
Von so viel Seelenlosen,
Ihr Acker liegt zu brach;
War's dir zum Trost gesungen,
So ist es nicht verklungen, –
Was fragt die Welt danach?

Tu alles Gott zu Liebe,
Nicht um den Dank der Welt,
Und wenn dir nichts auch bliebe
So bist du wohl bestellt!
Und geht es einst zu Ende,
So falte fromm die Hände,
Nicht aller Trost erblich:
Denn sollt' auch keiner klagen,
Und niemand nach dir fragen,
Dein Gott fragt doch um dich!