Johann Gabriel Seidl

Fischers Abendlied

Da drüben am Ufer
Da stehet ein Haus,
Da blickt oft zum Fenster
Ein Mägdlein heraus.
Das nickt mir vom weiten
Gar innigen Gruß,
Dem schick' ich manch Küßchen hin
Über dem Fluß.

Schon tönt von den Bergen
Das Abendgeläut, –
O Mägdlein im Hause,
Wo weilst du denn heut'?
So bleibt denn vergebens
Mein Schaun und mein Gruß?
Vergebens mein ›Gute Nacht‹
Über den Fluß?

Und bist du auch ferne,
So weiß ich es doch,
Du denkst vorm Entschlummern
Des Fernen auch noch,
Und träumst dich ans Ufer,
Und schickst mir zum Gruß
Der Träum' allerlieblichsten
Über den Fluß!

Bald, bald wird das Glöcklein
Dir läuten ins Haus;
Dann schmück' ich den Hut mir
Mit Band und mit Strauß,
Und spring' in den Nachen
Mit jauchzendem Gruß,
Und hol' als mein Bräutchen dich
Über den Fluß!