Johann Gabriel Seidl

Hagelschlag

Vor dem Felde steht der Landmann
Mit gekreuzten Armen da:
»Ach wie schön noch heute morgens,
Reicher Segen, fern und nah;

Grün und fett die jungen Halme,
Hoffnungsreich, ein Augentrost,
Bis der Mittag kam, der schwüle,
Bis der Hagelschlag getost!

All' die Halme nun erschlagen,
All' die Hoffnungen nun Staub,
Und ein ganzes Jahr voll Sorgen
Einer Viertelstunde Raub!

Und da soll der Mensch nicht hadern,
Soll nicht weinend stehn, wie ich?
Soll nicht Schweiß und Fleiß verschwören,
Schicksal, grollen nicht auf dich?!« –

– Und zum Landmann trat ein Pilger,
Der ihn also hört' und sah:
»Sprich, du, dessen Saat zerschlagen,
Sprich, wie meinst du, steh' ich da? –

Tausend Saaten, wie die deinen,
Lang' erwarteter Ertrag,
Freilich nur gesät im Herzen,
Traf mir schon der Hagelschlag.

Saat ist Pflicht, doch Glück ist Ernte;
Tausend Saaten ohne Glück!
Armer, auf den ärmren richte
Deinen tränenfeuchten Blick!« –

Und der Landmann hört den Pilger,
Zieht ein lächelnd Spottgesicht;
Weil er nicht die Saat kann sehen,
Glaubt er an den Hagel nicht.