Johann Gabriel Seidl

Männerwaffen

Nie ohne Waffe sei der Mann!
Ich meine nicht das Schwert,
So sehr es ihn auch ehren kann,
Wenn er es selber ehrt.
Doch andre Waffen gibt es noch
Von Gott ihm umgeschnallt,
Die leihn ihm selbst im Sklavenjoch
Beherrschende Gewalt.

Solch eine Waff' – es ist sein Geist,
Der ruhig klare Sinn,
Der alles Niedre von sich weist,
Gekehrt zum Höchsten hin;
Der, wenn des Schicksals Druck ihn preßt,
Ein Fels, entgegenstarrt,
Nicht haarbreit von dem Rechten läßt,
Und treu sich selbst beharrt.

Solch eine Waff' – ist sein Gefühl
Sein volles, warmes Herz,
Verschlossen eitlem Tränenspiel,
Geöffnet wahrem Schmerz.
Das echter Freude gern sich freut,
Und echte Liebe liebt,
Und selbst für alle Herrlichkeit
Nicht einen Gram vergibt.

Solch eine Waff' – es ist sein Wort,
Das Echo seines Sinns,
Ein festes Schloß, ein sichrer Hort,
Kein Spielball des Gewinns.
Zur rechten Stund' am rechten Platz
Da hält es ehern stand,
In armer Zeit ein reicher Schatz,
Und bessrer Zukunft Pfand.

Das sind die Waffen, die der Mann
Zu führen wissen soll,
Mit diesen kämpf' er furchtlos an,
Gerechten Stolzes voll.
Die leg' er im Gefecht der Welt
Nie eingeschüchtert ab,
Die nehm' er, als ein echter Held,
Einst mit sich in das Grab!