Johann Gabriel Seidl

Im Dorfe

Der Tag ist heimgegangen,
Der Abend stellt sich ein,
Schon glüht auf allen Wangen
Sein stiller Wiederschein.

Gestillt ist nun das Sehnen,
Verwunden ist der Schwerz,
Getrocknet sind die Thränen,
Befriedigt ist das Herz.

Der Tagsuhr rege Feder'
Ruht aus und stehet still;
Schon wallt und wandelt Jeder,
Wohin er eben will;

Der Hirte zu der Hirtin,
Der Weidmann in's Gebüsch,
Der Wandrer zu der Wirthin,
Der Ackersmann zu Tisch.

Gespräch' und Bilder spinnen
Von gestern neu sich fort,
Der Ernst erneut das Sinnen,
Die Lieb' erneut ihr Wort.

Da tönt, in Gottes Namen,
Der Vesperglocke Schlag,
Und schließt, als frommes Amen,
Den lieben, lauten Tag.