Johann Gabriel Seidl

Nach langem Regen

Des Himmels letzte Thräne rann
Aus seinem Angensterne,
Er fleht uns wieder lächelnd an,
Als thät' er's so recht gerne.
Noch einmal pustet er sich aus,
Und reibt die nassen Hände,
Zieht einmal noch die Stirne kraus,
Und jetzo hat's ein Ende.

Und Alles in der weiten Welt
Erkennt sein froh Erheitern;
Die goldne Saat auf ihrem Feld,
Die Flur mit ihren Kräutern.
Die Vögel rütteln Schwing' und Hals
Von Tropfen rein und trocken,
Die Bäume sonnen ebenfalls
Am Spätroth ihre Locken.

Die Blümlein ducken stracks empor,
Und zeigen ihre Farben,
Und reih'n statt derer sich im Chor,
Die siechten oder starben.

Und Nebel kommen weiß und weich
Aus Wald und Thal gezogen,
Und theilen Silberschiffen gleich
Der Lüfte blaue Wogen.

Der Fischlein Heer im Flutenhaus
Beginnt gestärkt sein Schalten,
Und guckt bald hier, bald dort heraus,
Ob Alles noch im Alten.
Und stimmbegabte Frösche-bläh'n
Und müh'n sich um die Wette,
Und buntgeschuppte Nattern. dreh'n,
Der Leiber schnelle Kette.

Schon thut sich Fenster auf und Thor,
Erst prüft die Hand besonnen,
Dann wagt sich Kopf und Fuß hervor,
Und endlich ist's gewonnen.
Zum Himmel, der's so gut gemeint,
Blickt man empor von Neuem;
Man hat mit ihm sich ausgeweint,
Man will mit ihm sich freuen!