Johann Gabriel Seidl

Kein Echo

Es war so schön am Berg, die Luft so klar,
Und jeder Athemzug ein Lebensjahr,
Und jeder Blick auf Thal und Höh'n umher,
Um eine starke Lebensfessel mehr.

Dem engen Busen ward das Herz zu weit,
Ausströmen wollt' es seine Seligkeit,
Und das, wofür dir Arme sind zu arm,
Den Lippen anvertrauen voll und warm.

Und laut hinaus, was nur der Mund vermag,
Rief ich's vom Berg mit heißem Herzensschlag,
Weit über alle Wipfel, alle Höh'n, —
Naturlaut, dacht' ich, muß Natur, versteh'n.

Und athemstill und lauschend stand ich da, —
Jetzt muß es wiedertönrn, fern und nah',
Muß mir's beweisen, das es mich verstand,
Daß ich ein Ohr für meinen Jubel fand.

Ich lausch', und lausche; —. ruhig bleibt's um mich,
Kein Echo kommt, — kein Lüftchen reget sich; —
Fort, fort! hinab! die Gegend hab! ich satt,
Die für mein warm Gefühl kein, Echo, hatt.