Johann Gabriel Seidl

Forderung

Du fragst mich um den Lohn der Liebe,
Mit welcher Münze sie bezahlt? —
Mit einem Aug', aus dessen Himmel
Der Stern der Gegenliebe strahlt.

Mit einer Hand, bei deren Drucke
Der Seele feinster Nerv erbebt;
Mit einem Seufzer, der den Busen,
Wie West den Schwanenflügel, hebt.

Mit einem Worte, das wie Tropfen
Auf eine durst'ge Zunge fällt;
Mit einem Kusse, der die Adern,
Wie Sonnenglut die Traube, schwellt:

Doch, liebes Kind, mein treues Schildern
War', hoff' ich, doch wohl Lohnes wert: —
Da ich, wie Liebe zahlt, dich lehrte,
So zahle mich, wie ich's gelehrt!