Johann Gabriel Seidl

Liebesneid

Die Luft beneid' ich, die mit lauen Wellen
Um deiner Locken braune Blüte spielt;
Dem Boden neid' ich die betretnen Stellen,
Der Lippe selbst den Seufzer, der sie kühlt.

Gedenk' ich erst des Bades, erst des Kleides,
Und dessen, was sie wagen ungestraft,
Dann fass' ich kaum die herbe Qual des Neides,
Die heiße Selbstsucht meiner Leidenschaft.

Und doch, kein Eifern ist es, was ich leide: —
Nur huld'gen möcht' ich dir, und weiß nicht wie;
Ich eifre nicht mit Luft und Bad und Kleide,
Ich fühle mich nur weniger, als sie.

Was Aug', Hand, Fuß und Lippe dir verlangen,
Was du bedarfst für Herz, Verstand und Sinn,
Von mir nur, wünsch' ich, sollst du es empfangen,
In Allem will ich dich zur Schuldnerin!