Johann Gabriel Seidl

Ostern

Ostern, o Stern!
Leuchtest du wieder
Freundlich hernieder,
Bliebst du auch diesmal der Erde nicht fern?!
Sei uns im frommen
Herzen willkommen!
Leucht' uns hinab in die Tiefen der Brust,
Wecke das Leben, belebe die Lust!

Ostern, o Stern!
Komm und erneue
Glauben und Treue,
Geh' uns voran auf dem Pfade zum Herrn!
Völker und Lande
Binde durch Bande
Gläubiger Einigung, liebender Kraft, —
Glaube nur schirmt uns in irdischer Haft!

Ostern, o Stern!
Quellen und Wälder
Triften und Felder
Blüten und Blumen verkünden dich gern!
Spielende Lichter,
Heitre Gesichter,
Tränen der Augen und Tränen der Flur
Grüßen in dir das Ersteh'n der Natur!

Sprenge die Riegel
Schwellender Flügel,
Blumen entsiegle den schlummernden Kern!
Und was du losen
Faltern und Rosen
Väterlich tust mit erquickendem Hauch,
Üb' es an unseren Herzen doch auch!